Chronik

Die sozialtherapeutische Siedlung Bühel ist nicht zufällig im niederbayrischen Schwarzach angesiedelt. Ihr Gründer Kurt Gäch (1923-1986) entstammte einer alteingesessenen Schwarzacher Arztfamilie. Sein Großvater, der legendäre Dr. Albert Gäch (1852-1926), war nicht nur Arzt in Schwarzach, sondern auch Politiker des radikalen Flügels des Bayerischen Bauernbundes und Mitglied der Bayernpartei. Er saß mit Ludwig Thoma im bayrischen Landtag.

Sein Sohn Albert Siegfried Gäch (1892-1942) ließ sich vom Bauhaus-Architekten Bernhard Weyrather aus Dresden 1926 den Neubau seiner Praxis planen. Die ungewöhnliche Villa im anthroposophischen Stil beherbergt heute als „Haus Lukas“ einige der Betreuten. Mit dem berühmten anthroposophischen Architekten erreichte die Lehre Rudolf Steiners die Arztfamilie.
Sohn Kurt Gärch wurde anthroposophischer Arzt und entwickelte wichtige heilpädagogische Ansätze. Besonders die Nähe zu seinem schwer mehrfachbehinderten Stiefsohn Thomas Hodel – der bis heute in Bühel lebt – ließ ihn tiefer in die heilpädagogische Arbeit einsteigen.

1964 übernahm er das heilpädagogische Institut „Birkenhof“ bei Lüneburg. Als kurze Zeit später seine erste Frau und sein Bruder starben, nutze er die ererbten Immobilien in Schwarzach, um dorthin Bewohner vom Birkenhof in die Sommerfrische zu schicken. So begann die Geschichte der Siedler von Bühel, die auch ein Stück Heimat- und Kulturgeschichte Schwarzachs geworden ist.

 

Kurt Gäch
25. Juli 1923 – 10. Mai 1986

Als Neurologe und Psychiater mit heilpädagogischen Arbeitsschwerpunkt setzte sich Kurt Gäch für die Erarbeitung der menschenkundlichen Grundlagen der anthroposophischen Medizin und Heilpädagogik sowie für die Entfaltung in therapeutischer, künstlerischer und kollegial-sozialer Hinsicht ein. Er entwickelte eine weit gefächerte Kurstätigkeit mit Medizinstudenten, Eltern mit behinderten Kindern, Lehrern, Erziehern und heilpädagogischen Kollegien und engagierte sich in der Bildung von fachlichen Netzwerken. Seine Persönlichkeit wurde als „Granitblock in der Heide“ charakterisiert. Man konnte ihm in großen Bogen ausweichen, sich an ihm stoßen, Feuer aus ihm schlagen oder auf ihn als tragendes Fundament etwas Eigenes bauen.
Kurt Gäch verstarb 1986 unerwartet und aus voller Tätigkeit durch Herzinfakt.